
Die einerseits aus den Problemen der korrekten Datumsermittlung und andererseits
aus der Problematik der Index-Aktualität erwachsenden Schwierigkeiten wurden
von den Suchmaschinen (wenigstens zum Teil) pragmatisch gelöst, indem gesonderte
Datenbestände mit Nachrichten aufgebaut und mit entsprechenden Suchoberflächen
versehen wurden. Besonders deutlich wurde die Schwäche der konventionellen
Suchmaschinen, mit aktuellen Ereignissen mitzuhalten, nach dem 11. September
2001. Als hilflose Versuche, den Suchmaschinen-Nutzern aktuelle Nachrichten
zu bieten, sind manuelle Verweise von den Suchseiten auf die Seiten von Nachrichtensendern
und Zeitungen zu werten (vgl. Wiggins 2001). Zu dieser Zeit bestanden gesonderte
Nachrichten-Suchmaschinen noch nicht wie heute als integraler Bestandteil aller
größeren Suchmaschinen. Diesen wiederum war die schnelle Integration
der aktuellen Meldungen in ihre Indizes nicht möglich. In der Folge wurden
von allen wichtigen Suchmaschinen eigene Nachrichtenbestände aufgebaut
(vgl. Machill, Lewandowski u. Karzauninkat 2005). Die Verwendung eines gesonderten
Index ermöglicht es dabei, auf diesen andere Regeln anzuwenden als auf
den regulären Web-Index: So werden die Nachrichten-Sites wesentlich öfter
von den Suchmaschinen besucht als andere Sites im Index; die Erschließung
kann wesentlich genauer erfolgen, da der in der Regel einheitliche Aufbau aller
Unterseiten eines Webangebots ausgenutzt werden kann. Probleme mit Spam bestehen
nicht, da die zu durchsuchenden Sites manuell ausgewählt werden und entsprechend
nur vertrauenswürdige Quellen verwendet werden.
Die Problematik der Datumsermittlung bei aktuellen Nachrichten ist weniger schwierig
als bei regulären Web-Dokumenten, hat jedoch selbst einige Besonderheiten,
die von den Suchmaschinen berücksichtigt werden müssen. Die zu unterscheidenden
Datumsangaben sind hier das redaktionelle Datum, das technische Datum, das Datum
in den Metaangaben sowie das Änderungsdatum (Machill, Lewandowski u. Karzauninkat
2005): Nachrichten werden auf Websites oft nicht in einer endgültigen Form
veröffentlicht, sondern nach dem ersten Erscheinen entsprechend der aktuellen
Ereignisse weiter überarbeitet.
Warum bauen die Suchmaschinen nun zwei verschiedene Datenbestände auf,
anstatt einen einzigen Index zu führen und nur bei der Suche über
die Nachrichtenquellen einen Filter anzuwenden? Dies ist schlicht mit technischen
Problemen zu erklären: Die Suchmaschinen sind nicht in der Lage, ihre sehr
umfangreichen Web-Indizes „on the fly“ zu aktualisieren. Die Nachrichten-Meldungen
würden erst mit einer gewissen Verzögerung im Index auftauchen, was
den Sinn der News-Suche konterkarieren würde.
Die News-Suche bietet dem Nutzer allerdings keine Möglichkeit, generell
nach jüngst aktualisierten Dokumenten zu suchen. Vielmehr ist er auf die
Quellenauswahl angewiesen, die von den Suchmaschinen vorgegeben wird. Aktuelle
Informationen von Seiten, die von den Suchmaschinen nicht explizit als Nachrichtenseiten
angesehen werden, können so nicht gefunden werden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die News-Suche durchaus ihre
Berechtigung hat, das Problem der Suche nach aktuellen Dokumenten aber nicht
vollständig lösen kann.