
Abgesehen von den im letzten Abschnitt beschriebenen grundsätzlich mit
dem Begriff der Relevanz verbundenen Problemen gibt es weitere Probleme des
Relevance Ranking, die das Ranking speziell für Suchmaschinen schwierig
gestalten.
Als erstes sind unklare Anfragen zu nennen. In Kapitel 2.6 wurde das divergierende
Nutzerverhalten dargestellt, welches es verbietet, eine allgemeine Suchmaschine
auf eine bestimmte Zielgruppe auszurichten. Vielmehr stehen Suchmaschinen zwischen
den Polen der Profi-Nutzer und den völlig ungeschulten Anfängern.
Da keine Unterscheidung des Schwierigkeitsgrads der erfassten Dokumente stattfindet,
tauchen Dokumente unterschiedlicher Verständlichkeit in den Trefferlisten
auf. Während die Suche nach einer Krankheit in einer medizinischen Fachdatenbank
nur Fachartikel hervorbringt und in einer Magazin-Datenbank nur für den
Laien geschriebene Artikel, kann eine Internet-Recherche neben weiteren Formen
beide genannten Arten von Artikeln hervorbringen. Zwar mögen alle diese
Dokumente formal relevant sein, jedoch entstehen in solchen Fällen Pertinenzprobleme
je nachdem, wer die Qualität der Treffer bewertet.
Speziell von unerfahrenen Nutzern werden unklare Anfragen gestellt. Bei der
Mehrzahl der gestellten Suchanfragen dürfte es sich um solche unklaren
Anfragen handeln, wenn man davon ausgeht, dass eine Anfrage mit einem oder zwei
Wörtern nicht präzise ist. Die Treffer solcher Anfragen werden in
einer einzigen Menge gerankt, allerdings stehen damit thematisch nicht zusammengehörige
Dokumente in ein und derselben Liste. Diese Problematik betrifft einerseits
unklare Anfragen aufgrund nicht vorliegender bzw. unzureichender Einschränkungen,
andererseits Anfragen mit Begriffen, die homonym zu anderen Begriffen verwendet
werden.
Weiterhin findet beim Ranking der Suchergebnisse keine Unterscheidung nach der
Art der Anfrage sowie der Art des Informationsbedürfnisses statt (siehe
Kapitel 2.5). Die einzige bisher in einer Suchmaschine verwendete Trennung der
Ergebnisliste nach dem Informationsbedürfnis ist die von Jon Kleinberg
entwickelte Trennung in Hubs und Authorities (siehe Kapitel 8.3).