Sie sind hier: www.durchdenken.de > Dirk Lewandowski > Publikationen > Web Information Retrieval > 8.7 Fazit linktopologische Verfahren
< 8.6 Problembereiche linktopologischer Rankingverfahren  |  Inhaltsverzeichnis  |  9 Retrievaltests >
8.7 Fazit linktopologische Verfahren

Fazit linktopologische Verfahren

In den vorangegangenen Abschnitten wurden linktopologische Verfahren dargestellt und deren Grundannahmen bei der Qualitätsbewertung von Dokumenten behandelt. Es konnte gezeigt werden, dass diese Verfahren für Web-Suchmaschinen von besonderer Bedeutung sind, da die potentielle Unzuverlässigkeit aller Web-Dokumente eine Qualitätsbewertung unbedingt notwendig macht. Allerdings ist zu fragen, ob sich solche Qualitätsurteile hinlänglich aus der Linkstruktur ableiten lassen.
Zur Verbesserung der bis dahin bestehenden Rankingverfahren haben die linktopologischen Verfahren auf jeden Fall beigetragen; heute kommt keine Suchmaschine mehr ohne sie aus. Durch die Zunahme von Manipulationen auch dieser Verfahren reichen sie heutzutage allerdings auch nicht mehr zur Relevanzsteigerung der Ergebnisse aus. Gerade bei Anfragen, die ein kommerzielles Interesse verraten können, werden von den Suchmaschinen oft auf den ersten Ergebnisseiten nur kommerzielle Ergebnisse gezeigt. Dies ist auf die Manipulationen durch Search Engine Optimizers zurückzuführen. Für die Zukunft sollte von Suchmaschinen erwartet werden, dass sie es dem Nutzer ermöglichen, ohne für ihn komplizierte Eingaben wie den Ausschluss von Begriffen, die auf kommerzielle Seiten hinweisen (shop, kaufen, etc.) leicht auch an nicht-kommerzielle Ergebnisse zu kommen. Dazu müssen sie allerdings in der Lage sein, den Nutzer zu führen anstatt ihn mit einer unüberschaubaren Treffermenge alleine zu lassen.
Für die Betreiber von Suchmaschinen bieten die linktopologischen Verfahren den großen Vorteil, dass sie sprachunabhängig sind. Statt einer Verbesserung des Rankings durch Analysen auf sprachlicher Ebene, die für jede Sprache einzeln angepasst werden müssen, bieten sich linktoplogische Verfahren an, da sie sofort für den gesamten Dokumentenbestand einsetzbar sind. Natürlich spielen hier auch die Kosten eine Rolle.
Die von den Suchmaschinen eingesetzten Rankingverfahren haben insgesamt nicht nur hinsichtlich der technischen Verbesserung ihrer Manipulationsresistenz eine Entwicklung durchlaufen, sondern haben sich auch in ihrer Orientierung verändert. Während der alleinige Einsatz von textstatistischen Verfahren stark am Autor des Dokuments orientiert war, der durch seine Wortwahl und die Gestaltung des Dokuments direkten Einfluss auf die Auffindbarkeit und das Ranking seines Dokuments hatte, verschob sich die Einflussnahme mit dem breiten Einsatz linktopologischer Verfahren zunehmend hin zum Website-Betreiber bzw. Webmaster. Durch das Setzen von Links wurde entschieden, welche Seiten im Ranking bevorzugt werden.
Mit den heute zunehmend aufkommenden „personalisierten“ Rankingverfahren (die genauso genommen nichts weiter sind als auf eine bestimmte Nutzergruppe angewendete nutzungsstatistische Verfahren) geht der Einfluss auf das Ranking auf „peers“ des jeweiligen Nutzers, als eine Gruppe der ihm „Gleichgesinnten“, über. Das, was die Mitglieder dieser Gruppe gut finden, wird dem Nutzer bevorzugt angezeigt. Eine echte Orientierung am Nutzer selbst findet jedoch auch hier nicht statt, deshalb wird in dieser Arbeit auch in diesem Zusammenhang nicht mehr von einem personalisierten Ranking gesprochen werden. Vielmehr soll das weitere Ziel dieser Arbeit sein, das Ranking als nur unterstützendes Verfahren zu sehen, das dem Nutzer dabei hilft, zu den für ihn passenden Dokumenten zu finden, diesen Weg aber nicht zu bestimmen.

< 8.6 Problembereiche linktopologischer Rankingverfahren  |  Inhaltsverzeichnis  |  9 Retrievaltests >