
In den vorangegangenen Abschnitten wurden linktopologische Verfahren dargestellt
und deren Grundannahmen bei der Qualitätsbewertung von Dokumenten behandelt.
Es konnte gezeigt werden, dass diese Verfahren für Web-Suchmaschinen von
besonderer Bedeutung sind, da die potentielle Unzuverlässigkeit aller Web-Dokumente
eine Qualitätsbewertung unbedingt notwendig macht. Allerdings ist zu fragen,
ob sich solche Qualitätsurteile hinlänglich aus der Linkstruktur ableiten
lassen.
Zur Verbesserung der bis dahin bestehenden Rankingverfahren haben die linktopologischen
Verfahren auf jeden Fall beigetragen; heute kommt keine Suchmaschine mehr ohne
sie aus. Durch die Zunahme von Manipulationen auch dieser Verfahren reichen
sie heutzutage allerdings auch nicht mehr zur Relevanzsteigerung der Ergebnisse
aus. Gerade bei Anfragen, die ein kommerzielles Interesse verraten können,
werden von den Suchmaschinen oft auf den ersten Ergebnisseiten nur kommerzielle
Ergebnisse gezeigt. Dies ist auf die Manipulationen durch Search Engine Optimizers
zurückzuführen. Für die Zukunft sollte von Suchmaschinen erwartet
werden, dass sie es dem Nutzer ermöglichen, ohne für ihn komplizierte
Eingaben wie den Ausschluss von Begriffen, die auf kommerzielle Seiten hinweisen
(shop, kaufen, etc.) leicht auch an nicht-kommerzielle Ergebnisse zu kommen.
Dazu müssen sie allerdings in der Lage sein, den Nutzer zu führen
anstatt ihn mit einer unüberschaubaren Treffermenge alleine zu lassen.
Für die Betreiber von Suchmaschinen bieten die linktopologischen Verfahren
den großen Vorteil, dass sie sprachunabhängig sind. Statt einer Verbesserung
des Rankings durch Analysen auf sprachlicher Ebene, die für jede Sprache
einzeln angepasst werden müssen, bieten sich linktoplogische Verfahren
an, da sie sofort für den gesamten Dokumentenbestand einsetzbar sind. Natürlich
spielen hier auch die Kosten eine Rolle.
Die von den Suchmaschinen eingesetzten Rankingverfahren haben insgesamt nicht
nur hinsichtlich der technischen Verbesserung ihrer Manipulationsresistenz eine
Entwicklung durchlaufen, sondern haben sich auch in ihrer Orientierung verändert.
Während der alleinige Einsatz von textstatistischen Verfahren stark am
Autor des Dokuments orientiert war, der durch seine Wortwahl und die Gestaltung
des Dokuments direkten Einfluss auf die Auffindbarkeit und das Ranking seines
Dokuments hatte, verschob sich die Einflussnahme mit dem breiten Einsatz linktopologischer
Verfahren zunehmend hin zum Website-Betreiber bzw. Webmaster. Durch das Setzen
von Links wurde entschieden, welche Seiten im Ranking bevorzugt werden.
Mit den heute zunehmend aufkommenden „personalisierten“ Rankingverfahren
(die genauso genommen nichts weiter sind als auf eine bestimmte Nutzergruppe
angewendete nutzungsstatistische Verfahren) geht der Einfluss auf das Ranking
auf „peers“ des jeweiligen Nutzers, als eine Gruppe der ihm „Gleichgesinnten“,
über. Das, was die Mitglieder dieser Gruppe gut finden, wird dem Nutzer
bevorzugt angezeigt. Eine echte Orientierung am Nutzer selbst findet jedoch
auch hier nicht statt, deshalb wird in dieser Arbeit auch in diesem Zusammenhang
nicht mehr von einem personalisierten Ranking gesprochen werden. Vielmehr soll
das weitere Ziel dieser Arbeit sein, das Ranking als nur unterstützendes
Verfahren zu sehen, das dem Nutzer dabei hilft, zu den für ihn passenden
Dokumenten zu finden, diesen Weg aber nicht zu bestimmen.