
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Ermittlung
von besonders hochwertigen Quellen aus dem Web. Dabei wird angenommen, dass
es für die Recherche von Bedeutung ist, aus welchen Quellen die Ergebnisse
stammen und eine alleinige Qualitätsbewertung auf Dokumentebene nicht zielführend
ist. Linktopologische Verfahren (Kap. 8) bewerten zwar Dokumente nach ihrer
Qualität, sie setzen Qualität dabei aber im Wesentlichen mit Popularität
gleich. Die in diesem Kapitel beschriebene Ansätze hingegen binden besonders
wertvolle Quellen entweder manuell ein, versuchen Quellen, die für Suchmaschinen
auf reguläre Weise nicht zugänglich sind, einzubinden, oder machen
sich bereits bestehende Qualitätsbewertungen aus Web-Verzeichnissen zunutze.
Zuerst stellt sich natürlich die Frage, wie Qualität in Bezug auf
Informationsquellen zu definieren ist. Hierbei wird ein pragmatischer Ansatz
gewählt: Qualitätsquellen sind solche Quellen, die eine gewisse Mindestanzahl
von Dokumenten enthalten und durch eine menschliche Bewertung „ausgezeichnet“
wurden. Damit wendet sich dieser Ansatz gegen die algorithmische Ermittlung
von Qualität und sieht das menschliche Urteil als notwendig für die
Qualitätsbestimmung an.
Der Fokus auf die Quellen anstatt auf die einzelnen Dokumente geht von den in
Kap. 10 beschriebenen Verfahren der intuitiven Nutzerführung aus und damit
von der Erweiterung der Recherche auf mindestens zwei Schritte: Der Suche und
der anschließenden Verfeinerung der Anfrage. Mit den in diesem Kapitel
diskutierten Verfahren soll im zweiten Schritt die Recherche auf besonders hochwertige
Quellen eingeschränkt werden bzw. es soll auf entsprechende Quellen verwiesen
werden. Die Suchmaschinen entfernen sich mit solchen Ansätzen von ihrem
traditionellen Nachweis von Dokumenten und übernehmen zunehmend die Aufgabe
der Web-Kataloge (also den Nachweis von Informationsressourcen) mit. Für
den Nutzer bieten sie mit dem Verweis auf Quellen anstatt auf dem direkten Nachweis
von Dokumenten einen neuen Sucheinstieg in nachweislich hochwertige Quellen.
Dem Nutzer soll mit solchen Verfahren die Möglichkeit gegeben werden, selbst
zu bestimmen, ob er das komplette Informationsangebot aus dem Web nutzen möchte
(also das, was in den regulären Trefferlisten angezeigt wird) oder ob er
lieber nur einen Ausschnitt daraus (bzw. im Fall von Invisible-Web-Quellen eine
darüber hinaus gehende Informationsmenge) abfragen möchte.
Teile dieses Kapitels geben die in Lewandowski (2005b) beschriebenen Ergebnisse
wieder.