
In den letzten Jahren sind die großen Suchmaschinenbetreiber dazu übergegangen,
neben den regulären, gecrawlten Web-Ergebnissen auch Hinweise auf Informationsressourcen
anzuzeigen. Dabei handelt es sich um wenige Quellen, die als unangefochtene
Autoritäten auf ihrem Gebiet gelten dürfen. Neben Quellen, zu denen
es keine echte Alternative gibt (wie dem Fahrplan der Deutschen Bahn) werden
auch Quellen eingebunden, zu denen Alternativen vorhanden sind (wie der Columbia
Encyclopedia, welche bei Yahoo eingebunden ist). Die grundlegende Idee ist es
jedenfalls, auf unangefochtene Autoritäten hinzuweisen. Dies kann als Zeichen
dafür gesehen, dass die Suchmaschinen ihren eigenen automatischen Qualitätsbewertungen
misstrauen, die ja dafür sorgen sollen, dass das beste Ergebnis zur Suchanfrage
an erster Stelle der Trefferliste angezeigt wird.
Teils ist auch zu sehen, dass Quellen als Empfehlungen angezeigt werden, die
auch den ersten Treffer der regulären Trefferliste stellen. Abb. 12.2 zeigt
als Beispiel die Suche nach einem bestimmten Patent bei Google. Als erster regulärer
Treffer erscheint das Patent auf der offiziellen Seite des US-Patentamts, darüber
findet sich ein Hinweis auf die Suche in der gleichen Patentdatenbank, aus der
der Treffer stammt. Beide angezeigten Treffer führen zur gleichen Seite
auf dem Server des Patentamts. Das Dokument ist in diesem Fall für die
Suchmaschine nicht invisible, sondern der Hinweis auf die Patentdatenbank wurde
schlicht eingefügt, weil die Suchmaschine nicht sicherstellen kann, dass
der sehr umfangreiche Datenbestand des Patentamts vollständig gecrawlt
wird. Dazu kommt, dass die Treffer aus diesem Bestand stets an erster Stelle
stehen sollen, dies aber anscheinend allein aufgrund des Rankings nicht gewährleistet
werden kann.
Abb. 12.2. Beispiel einer Patentsuche in Google

Abb. 12.3. Integration von Wetterinformationen in die Ergebnisdarstellung bei
Yahoo
Bei der manuellen Einbindung von Informationsressourcen wird auf zwei Arten
verfahren: Einerseits werden, wie in Abb. 12.2 gezeigt, Hinweise auf eine Quelle
gegeben. Erst wenn die Quelle angeklickt wird, wird die entsprechende Suchanfrage
an die Quelle geschickt und dort beantwortet. D.h. der Nutzer verlässt,
wie beim Anklicken regulärer Treffer auch üblich, das Angebot der
Suchmaschine. Die zweite Variante beantwortet Suchanfragen direkt. In Abb. 12.3
ist eine Anfrage nach dem Wetter in Düsseldorf bei der Suchmaschine Yahoo
zu sehen. Die Frage wird in einem Kasten oberhalb der regulären Trefferliste
direkt beantwortet; um ausführlichere Informationen zu erhalten, kann ein
weiterer Link angeklickt werden.
Eine Kombination unterschiedlicher Quellen setzt die Suchmaschine Ask Jeeves
bei der Suche nach Prominenten ein. Je nach Verfügbarkeit werden in einem
Kasten oberhalb der Trefferliste Hinweise auf verschiedene Quellen angezeigt.
In Abbildung 12.4 ist die Zusammenstellung von Informationsressourcen zur Person
David Bowie zu sehen. Neben einer Biographie werden Hinweise auf Bilder, Nachrichten,
Produkte, auf eine Filmographie sowie eine Diskographie gegeben. In der Abbildung
ist auch ersichtlich, dass die hinter den Links stehenden Informationen aus
unterschiedlichen Quellen kommen. So kann die Internet Movie Database (IMDB)
sicherlich die besten Informationen zu den Filmen Bowies geben, zu seiner Musik
ist sie sicher nicht die erste Quelle.
Neben der nützlichen Zusammenstellung wichtiger Quellen zur Suchanfrage
erfüllt die Ask-Jeeves-Lösung noch eine andere Funktion: Der Nutzer
wird zu den Informationen geleitet, die ihn interessieren, die er aber vielleicht
mit seiner ursprünglichen, unspezifischen Anfrage nicht erreicht hätte.
Es liegt also eine Mischung aus der prominenten Platzierung von hochwertigen
Quellen und dem Einsatz von Verfahren der intuitiven Beutzerführung vor.
Die manuelle Einbindung von Top-Quellen stellt eine gute Möglichkeit dar,
Quellen von besonderer Bedeutung prominent zu platzieren. Speziell die Möglichkeit,
Invisible-Web-Quellen einzubinden und verschiedene hochwertige Quellen zu kombinieren,
erscheinen zukunftsträchtig. Allerdings müssen die Quellen stets von
Hand ausgewählt werden und auch die passenden Suchanfragen bestimmt werden,
bei denen die entsprechenden Quellen angezeigt werden sollen. Für manche
Fälle ist dies einfach durch einen fokussierenden Suchbegriff (wie etwa
Patent) zu lösen, in anderen Fällen sind exakte Suchanfragen zu hinterlegen
(wie im gezeigten Beispiel der Suche nach Prominenten).
Abb. 12.4. Einbindung unterschiedlicher Informationsressourcen bei Ask Jeeves
Wenn man das System der manuellen Integration der Quellen ausweitet, so landet
man schließlich bei einer (umfassenderen) Zusammenstellung von qualitätsgeprüften
Ressourcen und steht damit dem Anliegen der Web-Verzeichnisse nahe. Der Unterschied
liegt einerseits darin, dass keine hierarchische Ordnung vorliegt, andererseits
in der Form der Integration der Quellen. Während Verzeichnisse nur die
Quellen selbst nachweisen, wird mit der Einbindung von Informationsressourcen
direkt auf eine Suchanfrage reagiert und diese im Bedarfsfall an die dahinter
liegende Datenbank weitergeleitet. Der Nutzer muss seine Suchanfrage also nicht
nochmals stellen.
Als ein Nachteil der manuellen Einbindung von Informationsressourcen ist die
Aufteilung der Ergebnisseiten in verschiedene Bereiche zu sehen. Die Trefferliste
„zerfällt“ und wird unübersichtlich, da die Informationsressourcen
ja nicht in die Trefferliste selbst eingebunden sind, sondern abseits von diesen
als besondere Empfehlung stehen. Eine echte Integration findet also nicht statt.